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Es ist 22:30 Uhr. Samstagabend. Ich sitze gemütlich mit meinem Mann auf der Couch, die Kinder schlafen friedlich und so langsam werde ich müde. Plötzlich schießt es durch meinen Kopf: der Kindergeburtstag!!! Emmas Freund Lukas hat morgen Geburtstag und feiert eine Indianerparty – und Emma hat nichts anzuziehen! Wir besitzen nichts, aber auch wirklich gar nichts, dass einem Indianerkostüm auch nur nahe kommt oder zu einem solchen umfunktioniert werden könnte. Und sie freut sich doch schon so! Was mache ich bloß?!?! Panisch renne ich zu meinem Stoffschrank, obwohl ich mir schon ziemlich sicher bin, dass unter den ganzen fröhlichen Motivstoffen, Sternen, Punkten und Streifen nichts für eine kleine Squaw zu finden ist. Nein. Nichts. Kein heller Baumwollstoff, kein uni Braun… Ich bin erledigt. Leise schleiche ich durchs Schlafzimmer zur Dachbodentreppe, die zum Arbeitszimmer mit den Bastelmaterialien führt. Jetzt bloß nicht auch noch das Kind aufwecken!!! Ich stehe ratlos im Arbeitszimmer und lasse ziellos den Blick schweifen.

DA! DA IST ETWAS!

Zwei Kissen aus meinem Vorrat an Füllmaterial. Die (unschöne) Hülle schmeiße ich sonst immer weg, da ich nur die Füllwolle für Stofftiere und eigene Kissen benutze. Aber nun ist sie ein Geschenk des Himmels! Sie sieht aus wie helles Wildleder – perfekt für die fesche Indianerfrau von heute. Also fliegt schnell die Füllwolle raus, die Nähte werden aufgetrennt und da liegt mein Indianerstoff…

ImageNun brauche ich ein Schnittmuster. Leider habe ich nicht rein zufällig eins für ein Indianerkostüm im Haus… Ich schnappe mir also eine lange Tunika (oder ein einfaches, gerades Kleid, eine Bluse geht auch, dann einfach verlängern) von Emma, falte sie längs und lege das ganze auf den ebenfalls längs gefalteten Stoff (Faltkante auf Faltkante; im Stoffbruch). Dann zeichne ich mit einem Stoffmarker die Umrisse nach, lasse die Ärmel dabei allerdings aus. Um den perfekten Armausschnitt zu bekommen, klappe ich den Ärmel ganz einfach auf die Tunika um (wie beim Falten), so dass ich die Nahtkante nachzeichnen kann. Nun kann ich das erste Teil zuschneiden (dabei an die Nahtzugabe denken!). Das zugeschnittene Stück lasse ich so gefaltet, lege es Faltkante auf Faltkante auf das zweite Stoffstück und zeichne erneut die Umrisse auf. Auch dieses wird zugeschnitten (Nahtzugabe!).

Für die Ärmel nehme ich ein kleines Stück von dem Reststoff, falte es und lege es mit der Faltkante nach oben genau am Ärmelausschnitt an. Ich schiebe es unter das zugeschnittene Stück, bis nur noch ein kleiner Streifen herausschaut (Nahtzugabengröße mindestens) und zeichne die Rundung des Ärmelausschnitts bis zur Hälfte nach. Ich schneide das Aufgezeichnete nach (Nahtzugabe!) und klappe das Stoffstück auf. Nun denke ich mir eine Linie zwischen den Endpunkten der Schnittlinie und zeichne einen Halbkreis daran. Das ist mein Ärmel. Ich erweitere den Halkreis um die Länge, die meine Fransen haben sollen und schneide den Ärmel zu. Dann zeichne ich damit meinen zweiten Ärmel auf und schneide auch diesen zu.

ImageJetzt kommt das Feintuning. Bei den Ärmeln werden die Fransen eingeschnitten, die Unterkante des Grundschnitts wird angeschrägt (muss nicht, je nach Geschmack, für Jungs vielleicht eher gerade) und auch diese wird mit Fransen versehen. Am Ausschnitt des Vorderteils schneide ich einen tieferen Bogen. An der Faltkante des Vorderausschnitts nehme ich noch ein längliches Dreieck heraus, das verschönert die Optik und erleichtert das Anziehen (ich brauche keine Öffnung mit Knöpfen oder Reißverschluss einzunähen).

ImageIch lege meine Zuschnitte rechts auf rechts aufeinander und nähe zunächst beide Schulterteile zusammen (Je nach Stoff kann die Naht noch versäubert werden). Jetzt folgen beide Seiten. Die Fransen dabei nicht mit zusammen nähen. Für die Ärmel wende ich das Ganze  und lege den Ärmel rechts auf rechts auf das Schulterteil, so dass die Schnittkanten aufeinanderliegen und die Fransen Richtung Ausschnitt zeigen. Festnähen. Genauso verfahre ich mit dem anderen Ärmel. Nun kann ich die Ärmel aufklappen. Fertig!

ImageWer mag, kann das Kostüm jetzt noch mit Webbändern verzieren, Perlen an die Fransen knoten, Fransen an Schuhe binden oder auch einen Kopfschmuck basteln. Dazu Lederreste, Stoffstreifen oder auch Papier zusammenknoten, kleben oder nähen und mit Federn verzieren, für Squaws ein Band mit herunterhängenden Federn daran hängen, für Häuptlinge Federn zwischen zwei Lederstreifen kleben, eine einzelne tut es aber auch. Schöne Halsketten können einfach aus einem Leder- oder Stoffband mit einer Muschel, einem Stein, einer Feder oder einem Stück Holz gebastelt werden. Was eben so vom letzten Waldspaziergang vorrätig ist! HUGH!

ImageSooo. Ich falle um 3 Uhr todmüde ins Bett (verzieren dauert bei mir immer etwas länger, ich kann mich nie entscheiden) und präsentiere total stolz der Tochter am nächsten Morgen ihr Kostüm. Sie liebt es und es sitzt perfekt! Eine halbe Stunde später eine SMS von der Mama des Geburtstagskindes: Ach übrigens, du brauchst Emma nicht zu verkleiden, wir basteln was…

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